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Auf der Verbindungsparty
(von Steve Regatear)

Eine rauschende Nacht auf einer Studentenverbindungsparty. Francois hatte mich eingeladen. Erst war ich skeptisch, es hat sich aber gelohnt. Doch fangen wir am besten am Anfang an.

Direkt zum Abschnitt: Anfang, angekommen, die Villa, die Party läuft, Francois Misserfolg, schlagende Verbindungen, die Party geht weiter, die Hemmungen fallen, am Ende warten.

Vom Anfang an

Eigentlich war ich schon vor einigen Jahren zu der Überzeugung gekommen, dass Studentenverbindungen nicht mein Ding sind. Aber Francois hatte viel Überzeugungsarbeit geleistet. Die Party werde der Hammer, die Typen von der Verbindung seien total locker. Es sei auch keine klassische Burschenschaft, sondern eine moderne, liberale, nicht-schlagende Sportverbindung. Bester Beweis für die Weltoffenheit sei ja wohl, dass sein Kommilitone Pedro, seines Zeichens Argentinier, aufgenommen worden sei. Bei soviel Überzeugungsarbeit konnte auch ich mich nicht entziehen.

So kommt es, dass Francois und ich unterwegs in Richtung Verbindungshaus sind. Das Verbindungshaus ist ein großes Haus in einer Villenkolonie unweit der Universität. In der Nachbarschaft befinden sich ausgelagerte Universitätsinstitute, die ebenfalls in Villen untergebracht sind. Vorteilhaft, so ist nicht zu befürchten, dass sich Nachbarn wegen Ruhestörung beschweren.

Im Verbindungshaus angekommen

An der Tür des Hauses stehen Pedro und einer seiner Bundesbrüder. Anstelle eines Verbindungsbands sind sie durch eine bunte Hawaiikette zu erkennen. Francois wird freudig begrüßt. Er hat bei der Beschaffung der Getränke geholfen, keiner der Brüder verfügt über ein Auto. Von mir verlangen die Gastgeber 20 Euro Kostenbeteiligung. Ich gebe ihnen das Geld und bekomme einen Stempel, natürlich mit Verbindungslogo. Da Francois ein guter Freund der Verbindung ist und ich ein guter Freund von Francois bin, darf ich meine Sachen in Pedros Zimmer abstellen. Während im Erdgeschoss Gemeinschaftsräume sind, befinden sich die Zimmer der Verbindungsmitglieder im ersten Obergeschoss. Der Plan ist, bei Francois zu übernachten, der ist wie fast immer mit dem Auto da und wird mich nachher mitnehmen. Er wohnt ein paar Kilometer weiter im Studierendenwohnheim.

Die Villa

Es ist fast acht Uhr, die Party ist bisher mäßig gefüllt. Das Erdgeschoss besteht aus einem großzügigen, mit Holz getäfelten Saal. Da die Täfelung nicht ganz dem Geschmack der Brüder zu entsprechen scheint, haben sie möglichst viel mit verschiedenfarbigen Papierrollen abgehängt. Auch bei der Beleuchtung wurde auf angeklebte Papierrollen gesetzt, um das Licht der Lampen bunt zu färben. In der einen Ecke des Raums ist ein großes Buffet aufgebaut. Neben dem üblichen Partyessen gibt es dort alle Sorten von Getränken, besondere Spezialität ist eine Bowle.

In der anderen Ecke des Raums ist ein DJ-Pult aufgebaut. So früh am Abend ist der DJ aber noch nicht aktiv und eine CD mit Loungemusik läuft. Eine Außentür führt auf den Balkon. Das Haus hat einen großen Garten. Überhaupt, die ganze Villa muss ein Vermögen wert sein. Anscheinend haben Generationen von Alten Herren ihr Geld der Verbindung vermacht, damit jetzt sieben bis acht junge Männer angenehmer studieren können und ausreichend Platz haben, um Partys zu veranstalten.

Wir holen uns das erste Getränk. Pedro stellt sich zu uns. Die Party gibt es zweimal im Jahr, einmal zu Beginn des Sommersemesters und einmal zu Beginn des Wintersemesters. Normal kommen so siebzig bis achtzig Leute. Francois erzählt mir noch ein bisschen, wie unglaublich hart und stressig seine Woche war, da das Wintersemester ja schon wieder angefangen hat. Wir holen uns noch eine Runde Getränke, Francois steigt auf antialkoholisch um, ich probiere die Bowle. Diese ist extrem süß und scheint, auch wenn man es aufgrund des massiven Zuckereinsatzes nicht gleich merkt, Unmengen von Alkohol zu enthalten.

Die Party im vollen Gange

Mittlerweile ist die Party gut gefüllt. Der DJ legt House auf. Unglaublich für eine Privatparty, die Leute tanzen dazu. Unter den männlichen Gästen auf der Tanzfläche sieht man viele Typen mit Polohemden und hochgestelltem Kragen. Draußen am Balkon brennen mittlerweile dutzende Teelichter. Hier sitzen die eher alternativ angehauchten Leute. Sie haben sich wärmende Decken über die Beine gelegt. Eine selbst gedrehte Zigarette geht um. Wir gehen wieder rein. Am Buffet steht vor mir eine attraktive, blonde, junge Dame mit kurzem Rock, Netzstrümpfen und sehr schönem Make-up. Ich spreche Sie an. Sie heißt Irina, studiert Romanistik im dritten Semester und kommt aus Weißrussland. Ich spreche ein bisschen mit ihr. Ihr Hobby ist die Malerei, sie hat schon einige Bilder im expressionistischen Stil kreiert. Leider fehlt ihr noch ein Forum, um ihre Werke auszustellen. Sie würde sie gerne im Internet zeigen und Kunstliebhabern den käuflichen Erwerb ermöglichen. Ich schlage vor, einfach auf der Seite, an der ich mitarbeite, eine kleine Bildgalerie einzurichten. Ihre Augen glänzen. Sie fragt nach, was genau für eine Seite das sei. Ich erkläre ihr, dass es eine Flirtseite ist. Ihr Gesichtsausdruck ändert sich schlagartig. Sie wechselt das Thema, sagt noch ein paar Takte zum Wetter und verabschiedet sich dann schnell.

Auf der Verbindungsparty Teil 2:
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