Meine Vorerfahrungen mit Studentenverbindungen
(von Steve Regatear)

Ein kurzer Exkurs, der erklärt, wie mein Bild von Verbindungen zustande gekommen war

"Ehre, Freiheit, Vaterland", schallt es laut durch die Kirche. Es ist schon einige Jahre her, ein Freund meiner Eltern wurde zu Grabe getragen. Besagter Freund der Familie war in seiner Studienzeit in eine Verbindung eingetreten. Ganz offensichtlich ein Bund auf Lebenszeit, denn auch 50 Jahre später war er dort noch angesehenes Mitglied. Die Hälfte der Kirche war mit Verbindungsbrüdern aller Altersklassen gefüllt. Ein Alter Herr hatte grade eine Rede gehalten, die mehr an einen Durchhalteappell auf dem Kasernenhof als an eine Trauerrede erinnerte. Kernbotschaft: „Und es ist sein Wille, dass wir unermüdlich den Kampf fortsetzen, um den Einfluss der Burschenschaften auf das deutsche Vaterland zu vergrößern.“ Links und rechts vom Sarg standen junge Männer in altertümlicher Burschenschaftsuniform, bewaffnet mit Säbeln.

Später beim Cafe, nach der Zeremonie in der Kirche, hatte ich das Vergnügen, gegenüber den waffentragenden jungen Männern zu sitzen. Einer dieser hatte die unglaubliche Güte, mir mit kurzen, abgehackten Sätzen die Prinzipien der Burschenschaften vorzutragen. Um überhaupt vollwertiges Mitglied einer Verbindung zu werden, müsse man erst die Kunst des studentischen Fechtens erlernen, um dann in der Mensur, das ist ein ritualisierter Kampf, Tapferkeit und Ehre unter Beweis zu stellen. Stolz zeigte er mir einige Narben im Gesicht, genannt Schmisse, die bei seiner Mensur entstanden waren.

Auch das Feiern werde bei Verbindungen groß geschrieben, wusste er zu berichten, natürlich gebe es auch hierzu strenge Regeln, das so genannte Bier-Komment. Wichtig sei besonders, in der vorgeschriebenen Geschwindigkeit zu trinken. Aufstehen sei nur erlaubt, um neues Bier holen oder kotzen zu gehen. Ein spezielles Speibecken, skurriler Weise Pabst genannt, sei auf dem WC im Verbindungshaus vorhanden.

Doch nachdem ich ihm erzählte, dass ich eine Ausbildung machen möchte, zerstreute er meine Hoffnungen, oder sagen wir besser Befürchtungen, jemals in den erlauchten Kreis einer Burschenschaft aufgenommen zu werden.

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