"Oh, du hattest was mit A. Was, es ist nichts draus geworden? Du hast aber neulich bei ihm übernachtet, oder? Das tut mir aber leid, ich versteh gar nicht, dass du immer so ein Pech hast!"
Diese oder ähnliche Konversationen kannst du gar nicht gebrauchen. Manchmal müssen Freunde, Bekannte oder Eltern nicht alles mitbekommen. Egal, ob es Neid oder Mitleid ist, du willst einfach nicht wissen und schon gar nicht hören, was andere über deine Affaire letztes Wochenende denken. Auch der Gedanke spannenden Gesprächsstoff für Freunde, falsche Freunde oder andere Lästerbacken, die du jeden Tag sehen musst, zu liefern, ist wenig verlockend. Das Schlimmste an der Sache ist, dass viele Menschen nichts Besseres zu tun haben, als hinter den Gardinen zu lauern und dich zu beobachten, mit der Hoffnung, dass du etwas tun könntest, was Anlass für Lästereien, Moralpredigten und Skandalgeschichten gibt.
Von der Angst, dass du und deine Affairen Gegenstand des Stadtgesprächs werden, solltest du dir deine Abenteuerlust nicht vermiesen lassen. Du musst nur ein wenig aufpassen, dass es keiner merkt. Wie du unnötiges Entdeckungsrisiko vermeiden kannst, darum geht es in diesem Artikel.
Los geht es mit einem Szenario, welches nahezu ausschließt, dass jemand etwas merkt. Leider wirst du nur in den wenigsten Fällen alle Empfehlungen umsetzen können. Deshalb kommen wir dann auch der Realität ein wenig näher. Und zum Abschluss habe ich noch ein paar Tipps, wie du am besten mit Mitwissern umgehst.
Fangen wir unter Laborbedingungen an. Wie sieht die theoretisch perfekte Tarnung auch in einem denkbar problematischen (=dich genau beobachtenden) Umfeld aus?
Niemand darf mitbekommen, dass du überhaupt an einer Affaire interessiert bist. Das heißt, schon bei der Partnersuche ist Diskretion Trumpf. Keine Angrabeversuche, wenn Freunde in der Nähe sind und auch keine "F***en? Wie wär's mit mir?" T-Shirts. Entweder du fährst in eine weit entfernte Stadt, in der dich niemand kennt, und machst dort die Bars und Clubs unsicher, oder du probierst es im Internet. Im Internet besteht grundsätzlich die Möglichkeit, jemanden zu finden, aber du musst einige Grundregeln beachten:
Nehmen wir mal an, du warst erfolgreich und hast jemand gefunden, der ein Abenteuer mit dir möchte und deine erhöhten Diskretionsanforderungen vielleicht gut findet, zumindest aber billigend in Kauf nimmt. Nun müsst ihr euch aber auch noch treffen, alles geht im Internet nun auch nicht. Hier bietet sich an, in eine andere Stadt zu fahren. Eine, die möglichst weit entfernt ist. Dummerweise wird sich nicht vermeiden lassen, dass andere merken, dass du verreist bist. Von daher brauchst du eine nachprüfbare Veranlassung, deinen Wohnort zu verlassen. Vielleicht schickt dich dein Chef öfters alleine auf Geschäftsreisen. Dann hast du eine valide Rechtfertigung, dich dem Kontrollbereich deiner Freunde zu entziehen. Manchmal ist es auch möglich, nach einem Besuch bei Verwandten oder Kumpels noch einen lustvollen Abstecher zu machen. Pass aber auf, dass dir weder Oma noch Opa anmerken, dass du noch etwas vorhast und sie nur besuchst hast, um von deinen Beobachtern die Genehmigung zu bekommen, aus der Stadt auszureisen.
Rechne auch mit eifrigen Beobachtern, die Zeit-Wege-Profile von dir erstellen. Möglicherweise fragt man bei deinen Gastgebern nach, wann du losgefahren bist, das heißt, du musst in der Lage sein, ungewöhnlich lange Fahrzeiten erklären zu können.
Wenn du alle diese Hürden genommen hast, und wieder zuhause angekommen bist, ist eigentlich nur noch zu hoffen, dass du nicht einen der klassischen Fehler gemacht hast:
Wenn du bei dem vorstehenden Szenario an der ein oder anderen Stelle den Realitätsbezug vermisst hast, so sollte es dir doch geholfen haben, die Grundprinzipien zu erkennen. Nochmal kurz zusammengefasst: Vorher diskret sein, dabei diskret sein, danach diskret sein.
Was genau kannst du nun aber machen, wenn du morgen jemanden auf einer Party kennen lernst und es bei euch funkt? Wie kommst du dann unauffällig zu deinem Spaß? Wahrscheinlich werden die meisten schon mitbekommen haben, dass ihr euch gut versteht. Damit ist der Punkt "vorher diskret sein" schon mal vermasselt. Aber es gibt immer noch die Möglichkeit, Schadensbegrenzung zu betreiben. Verabredet euch an einem anderen Ort und verlasst die Party nacheinander. Der Abstand sollte mindestens zehn Minuten betragen. Wenn ihr nicht wisst, wo der oder die andere wohnt, verabredet euch an einem leicht zu findendem Punkt. Dass euch dort jemand sieht, den ihr kennt, ist unwahrscheinlich, wenn alle eure Freunde auf der Party sind, die ihr verlassen habt. Dort könnt ihr in aller Ruhe die "Zu-mir-oder-zu-dir" Frage ausdiskutieren. Am nächsten Morgen musst du aufpassen, dass dein Auto nicht an der falschen Stelle gesehen wird. Besonders in Kleinstädten kann das ein Problem darstellen. Von daher lieber noch in derselben Nacht wieder zu sich nachhause fahren.
Vielleicht geht es auch gar nicht um die Gäste auf der Party, sondern um Eltern, Mitbewohner oder andere. Dann kann es helfen, zu behaupten, bei einem guten Freund, einer guten Freundin übernachtet zu haben. Diese sollte den Eltern bzw. Mitbewohnern als seriös und zuverlässig bekannt sein, aber sie sollten auch keinen so guten Draht zu ihr oder ihm haben, dass sie gleich anrufen und die Geschichte nachprüfen.
Mitwisser sind nicht nur in Krimis eine Gefahr, sondern auch für dich. Insbesondere dann, wenn es über sie nichts Spannendes zu erzählen gibt und einzig und allein du Anlass für die ein oder andere interessante Geschichte bist. Besser ist, wenn sich alle ausleben. Nicht nur, dass die Regel "erzählst du was über mich, erzähl ich was über dich" gilt, wird was erzählt, steht man nicht allein da, sondern in guter Gesellschaft. Hinzu kommt, nach einem Urlaubsflirt dauert es einfach ein wenig, bis man wieder nachhause kommt, und ein paar Flugstunden schaffen auch Distanz. Vieles ist bis zur Ankunft in der Heimat vergessen, andererseits werden auch häufig Dinge erfunden und niemand kann denn Wahrheitsgehalt genau nachprüfen. Also, tue dich mit Leuten zusammen, mit denen du dich gut verstehst, und leg los. Und hoffe vor allem drauf, dass euer neugieriger Nachbar nicht den gleichen Urlaubsort gebucht hat.
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