Für den nächsten Tag gibt es kein offizielles Programm seitens unseres Gastgebers. Dafür hat sich François in den Kopf gesetzt, an einen Strand zu fahren, an dem angeblich besonders gut geflirtet werden kann, das hat er zumindestens in einem Reiseführer gelesen. Mir reicht eigentlich der Strand von Playa d’en Bossa, aber warum nicht auch einmal was anderes kennenlernen?
Da Eugen und Mo wandern gehen wollen, können wir den Wagen haben. Wir fahren zum Platja d’Es Cavallet. Vorbei geht es an der Rückseite des Flughafens und an Salinen. Hier wird Meerwasser in sehr seichte Tümpel geleitet. Während des Sommers verdampft das Wasser. Wenn alles verdampft ist, bleibt nur noch das Salz zurück, dass dann „geerntet“ werden kann. Wir parken am nördlichen Ende des Strands und setzen unseren Weg fort. Vorbei geht es an einer sehr noblen Beach-Bar. Ein paar Meter weiter ist eine Sanitätsstation. Auf der Liege liegt ein dickbäuchiger Mann mittleren Alters, der sich einen Sonnenbrand geholt hat. Eine Sanitäterin reibt ihm irgendein Schutzmittel auf den Rücken ein. Im Vorbeigehen hören wir, wie er etwas erzählt: „Solange nach der Scheidung bin ich nicht mehr beziehungsfähig.“ Ah, ja, gut zu wissen. Wenigstens nimmt sich die Sanitäterin ein paar Minuten Zeit für ihn. Je weiter wir kommen, um so höher wird der FKK-Anteil am Strand. Aber auch der Männeranteil steigt stetig. Ich fürchte François hat etwas falsch mit dem Flirten aufgeschnappt - hier flirten wohl eher Männer mit Männern. Ein paar Kilometer später sind wir an der nächsten Beach-Bar. François will unbedingt wissen, wie viel dort eine Flasche Champagner kostet und geht deshalb in die Bar rein. Ich finde das ziemlich sinnlos und warte deshalb draußen vor der Bar. Ein durchgegelter Kellner kommt auf mich zu. Er fragt mich auf Englisch, wie es mir geht. Er will wissen, was am anderen Ende des Strandes los ist, ob ich den ganzen Weg gelaufen bin und … er will wissen, was ich heute Abend vorhabe. Ich sage ich sei schon ausgebucht. Er will wissen mit wem ich verabredet bin. Er macht mir Komplimente, er sagt ich sei sexy. Er wiederholt es und greift sich in den Schritt. Ich verabschiede mich freundlich und gehe einen Schritt weiter. Wo ist François. Ich gehe Richtung Bar, sehe ihm nicht, laufe einmal um das Haus herum und treffe ihn wieder. Wir begeben uns auf den Rückweg. Leider müssen wir feststellen, dass unser Auto zugeparkt ist. Ein mega-bonziger Geländewagen verhindert, dass wir aus unserem Parkplatz rauskommen. Immerhin ist eine Nummer hinter die Windschutzscheibe geklemmt. Wir rufen an. Dreißig Minuten später kommt ein älterer Mann mit dicker Goldkette, der seine Kiste wegfährt. Nun kann es zurück in die Finca gehen.
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