Die Getränke sind kaltgestellt, ein paar Flyer haben wir versucht zu verteilen, allerdings ohne Erfolg- niemand wollte auch nur einen Flyer haben. Heute müssen wir noch die Speisen kaufen. Los gehen soll es um 21 Uhr ... Eugen und Mo klopfen schon den ganzen Morgen dumme Aufreißersprüche, die ich ihnen eigentlich gar nicht zugetraut hätte. Sie scheinen auf unser Partyorganisatorentalent zu vertrauen.
Der Plan ist eine Party für zehn bis fünfzehn Leute zu organisieren. Wir sind schon vier Jungs, also brauchen wir mindestens noch vier Mädels. Da erfahrungsgemäß ohne besondere Maßnahmen auf Partys deutlicher Männerüberschuss herrscht und auch bei sorgfältiger Selektion der Gäste sich nicht vermeiden lässt, dass ein paar Typen kommen, dürfte es bei fünfzehn Gästen hoffentlich auf ein ausgeglichenes Verhältnis herauslaufen. Noch besser wäre natürlich ein leichter Frauenüberschuss. Was nicht passieren darf ist, dass wir noch eine Vierer-Gruppe Typen wie auch immer von der Party was mitbekommt und auftaucht.
Bis jetzt haben wir null Gäste. Wir laufen den Strand entlang. Irgendwie haben wir ein Blockade Leute anzusprechen. Eine Gruppe von Sonnenbrillenverkäufern kommt uns entgegen. Sie wollen uns Sonnenbrillen verkaufen. Ich erkläre, dass ich keine Sonnenbrille brauche. Die Suche nach Gästen geht weiter.
„Hey Girls, habt ihr Lust auf die Party zu bekommen“, „No Grazias, No“. Na super, sie haben noch nicht einmal verstanden, was wir wollen und geben uns schon einen Korb. „Hallo, wir schmeißen heute Abend eine kleine Party in einer tollen Finca mit Swimmingpool“, da kommt auch schon der Freund eines der Mädels, der Bodybuilder sein muss. Weiter geht es. „Oh, ich würde wirklich gerne kommen, aber ich habe schon Karten für das Space. Und das kann ich nicht verpassen.“ Ermutigend aber noch nicht zielführend: „Super, Party, Finca … wo? Sant Jordi? Wo ist denn das? Ah, nein.“ Je länger wir rumlaufen, desto weniger Lust bekomme ich Gäste zu rekrutieren. Jetzt werden wir zu Abwechslung angesprochen, von einer attraktiven Promotorin. Wir starten natürlich sofort einen Gegenangriff und versuchen sie für unsere Party als Gast zu gewinnen. Antwort: „Nein, ich muss heute Abend in einer Bar arbeiten. Aber wenn eure Party nichts wird, kommt in die Bar. Ich kann euch günstig Tickets für Space geben.“ Na danke!
Nach zwei Stunden sind wir sieben Flyer losgeworden, vier davon ohne irgendwelche besonderen Kommentare, zwei Mal haben wir „vielleicht“ gehört und einmal „kann ich meinen Freund mitbringen?“ Naja, eigentlich keine Typen. Aber bevor nur wir vier Jungs da sind, dann lieber eine Frau und einen zusätzlichen Typen einladen, gibt immerhin 16 Prozent Frauenanteil
François ist auch frustriert. Er meint, wir hätten schon wieder die falsche Zeit für das Verteilen gewählt. Erstens sei die Uhrzeit falsch, zu früh am Abend und zweitens sei die Einladung zu kurzfristig, mehr Einsatz am Vorabend wäre besser gewesen. Was nun? Wir entschließen uns dazu, erst einmal die Lebensmittel zu kaufen, bevor diese ausverkauft sind. Später wollen wir dann nochmal zurückzukommen, um etwas die Werbetrommel zu rühren.
Wir verlassen den Strand und fahren mit dem Mietwagen zum nächsten Supermarkt. Grillen ist auf der Party angesagt, deshalb brauchen wir jede Menge Grillgut. An der Fleischtheke reihen wir uns hinter den älteren Herrschaften ein, die jeweils eine dünn geschnittene Scheibe Wurst kaufen. Wir schlagen mit 20 Steaks gleich richtig zu.
Bei einer Party dürfen Chips und anderes Knabberzeug auch nicht fehlen. Wir fahren mit dem Einkaufswagen Slalom um die im Gang abgestellten Einkaufswagen, Rollatoren und Kinderwagen hin zu den Chips und laden ein paar Tüten ein.
Schließlich brauchen wir noch frisches Gemüse für einen Salat. Wir gehen zum Gemüsebereich. Es sieht so aus, als wären wir grade noch rechtzeitig gekommen. Einige Sachen sind schon ausverkauft, bei vielen anderen Gemüsesorten sind nur noch Reste vorhanden. Salat ist noch relativ viel da, wir können uns problemlos eindecken. Weiter geht es zu den Tomaten. Ich fange an, Tomaten in eine Tüte einzupacken. Eigentlich könnten wir auch die ganze Kiste mitnehmen, denn es sind nicht mehr viele drin. Da François Tomatensalat, Grilltomaten sowie eine Vorspeise mit Mozzarella und Tomaten zubereiten möchte, brauchen wir extrem viele. Plötzlich höre ich, wie jemand hinter mir in gebrochenen Englisch sagt: „Brauchst du den wirklich alle Tomaten.“ Ich drehe mich um, es ist eine leicht mollige junge Frau. Ich frage, wie viele Tomaten sie bräuchte. Sie meint acht Stück. Nein, von insgesamt 20 Tomaten kann ich nicht knapp die Hälfte entbehren. Sie ruft etwas in einer Sprache, die ich nicht verstehe. Ein braun gebrannte, sehr attraktive Freundin der verhinderten Tomatenkäuferin erscheint. Die beiden Reden ein paar Takte miteinander. Schließlich fragt die Mollige in etwas schroffen Ton, warum wir denn so viele Tomaten bräuchten. Ich versuche auf Englisch zu erklären, was wir mit den Tomaten und insgesamt vorhaben. Wieder werden ein paar Worte gewechselt. Ergebnis grob gefasst: „Lad uns ein, oder gib uns Tomaten ab.“ Na, das bin ich doch mal großzügig und wähle die Option einladen. Da die Flyer im Auto sind, muss ich mir an der Kasse einen Zettel und Notizblock geben lassen, um den Weg zu erklären.
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