Mo und Eugen haben immer noch nicht genug Kultur abgekommen und wollen der nächtlichen Altstadt von Eivissa, das ist nur eine andere Bezeichnung für Ibiza Stadt, einen Besuch abstatten. Wir nehmen an diesem Programmpunkt nicht teil. Stattdessen zieht es uns wieder nach Playa d’en Bossa. Diesmal nicht Clubben in den großen und teuren Clubs. Dort wird ohnehin nur wild getanzt, wir gehen lieber in eine kommunikative Bar.
Diese ist auch schnell gefunden. Wir setzen uns in den Außenbereich einer Bar an der Carretera Platja d’en Bossa und bestellen die erste Runde Bier. Neben dem obligatorischen Ticketverkauf gibt es in der Bar eine Reihe von Spielautomaten, Kickern und Münz-Boxsäcken.
Es ist kurz nach neun Uhr abends, wir scheinen ein wenig früh dran zu sein. Bei François macht sich schon wieder leichtes Stressgefühl bemerkbar. Er will etwas Erleben und nicht nur herumsitzen. Das zweite Bier macht ihn ein wenig lockerer. Die Bar wir langsam voller, richtig gut gefüllt kann man es noch nicht nennen. Wir sitzen da und schauen uns das Treiben auf der Straße an.
Zwei Mädels setzten sich an den Tisch neben uns. Ich schaue rüber, die eine der beiden schaut zurück. Eine halbe Sekunde später frage ich, ob wir uns mit an den Tisch setzen können. Und zwanzig Sekunden später sitzen wir mit Ihnen an einem Tisch. Die beiden heißen Marry und Johanna. Kein Ahnung, ob das ihre echten Namen sind oder eher eine Wortspiel für den Urlaub. Sie sind 23 beziehungsweise 21 Jahre alt und kommen aus Dänemark. Auf Ibiza sind sie vor drei Stunden gelandet. Sie sprechen gut Englisch, zumindest erkennen sie an unserem Akzent sofort, wo wir her kommen. Marry studiert Anglistik, Johanna Schauspiel. Marry hat schulterlange braune Haare, sie ist nicht all zu groß, es dürften knapp eins sechzig sein. Sie ist recht üppig und trägt ein enges schwarzes Top und eine Jeans. Johanna hat etwa dieselbe Größe und blondierte Haare. Sie ist noch etwas kleiner als Marry und schlank. Sie trägt einen kurzen Jeansrock und ein pinkes Oberteil.
Ich unterhalte mich gut mit den beiden, François tut sich etwas schwerer. Während wir reden, versucht sich ein Typ am Münz-Boxsack. Wenn er zuschlägt, bekommt man Angst, er könne sich die Hand brechen. Da er allerdings meistens daneben schlägt, passiert dies nicht. Er schafft mit Mühe und Not den Titel „Waschlappen“ (oder so was in der Art) vom Automaten verliehen zu bekommen. Nun steht François auf, schreitet zu dem Münz-Boxsack, wirft zielgerichtet eine Münze ein, holt weit aus, und … BATZ … der Boxsack wird komplett durchgedrückt und die Superheldenanzeige leuchtet. Innerlich stolz und zugleich bemüht gleichgültig zu wirken kehrt er zum Platz zurück und setzt sich.
Das Gespräch geht weiter, nun geht es allerdings weitgehend an mir vorbei, ich bin nicht mehr so interessant. François tauscht Handynummern aus. Da ich dummerweise mein Handy nicht dabei habe, bin ich auch bei diesem Teil außen vor. Die Unterhaltung geht weiter. Wir bestellen noch Bier, ein Ticketverkäufer kommt vorbei. Er hat Freitickets für eine Disco, die grade auf der anderen Seite der Straße ist. Die Freikarten gibt er allerdings nur den Damen. Und diese haben genau 10 Minuten Zeit dorthin zu gehen, der freie Eintritt gilt nur bis Mitternacht. Die Mädels brechen direkt auf, wir warten auf unser Bier. Wir trinken es aus, schauen nochmal kurz beim WC vorbei und gehen auf die andere Seite der Straße zum Eingang des Clubs. Es ist ein unbekannter Club ohne besonderes DJ-Line-up. Dennoch nimmt man uns am Eingang 15 Euro pro Nase ab. Der Club ist leer … richtig leer, eine Gruppe von fünf Typen steht herum. Wir stellen uns in die Ecke. Wo sind die Mädels? François schaut aus langweile auf sein Handy und entdeckt eine SMS: „Geht nicht in den Club, der ist leer." Wir sind gegangen- müde vom Flug.“ Hätte François rechzeitig auf sein Handy geschaut, hätten wir uns Geld sparen können. Wir hängen noch eine Stunde ab, mittlerweile sind drei Gruppen anwesend, bei einer Gruppe ist ein Mädel dabei, ansonsten nur Typen. Wir erkennen unseren Fehler und investieren nochmals knapp 15 Euro in das Taxi zu Finca.
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