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Am Hotelpool

Dass ich bisher kein all zu großer Freund der Finca geworden bin, habe ich ja schon erwähnt. François und ich haben beschlossen, heute Nachmittag das Leben am Hotelpool zu genießen. Mo und Eugen bereiten derweilen den Grillabend vor. Wir sind mit Handtuch und Sonnenbrille unterwegs und halten nach einem geeigneten Hotelpool Ausschau.

Hier ein Zaun, da ein Hotelmitarbeiter an der Tür … ein nicht ganz leichtes Unterfangen als Nicht-Gast an einen Hotelpool heranzukommen. Die Hotels in Strandnähe achten sehr aufmerksam darauf, dass sich keine Typen wie wir einschmuggeln. In einem Hotel ein paar hundert Meter abseits der Hauptstraße haben wir Erfolg. Beim Vorbeigehen sehen wir, wie ein Seiteneingang zum Hotelgarten mit Pool offen steht. Der Gärtner ist mit seinem Schubkarren grade um die Ecke verschwunden. Wir huschen rein, orientieren uns, versuchen möglichst lässig auf den Pool mit den Liegen zuzugehen und schon sitzen wir da, als würden wir schon den ganzen Tag dort rumhängen.

Mission geglückt, nun sind wir am Ziel angekommen. Vor uns ist der sehr gepflegte Hotelpool, hinter uns das Hotel mit der Hotelbar im Erdgeschoss und um uns herum viele Liegen, einige werden von einem Sonnenschirm beschattet. Die beschatteten Liegen sind locker belegt. Hier ein älteres Ehepaar, dort drei Mädels, die offenbar aus Österreich kommen. Ein paar möchtegern coole Typen haben sich Bier an die Liegen geholt- offenbar auch Österreicher. Und dann gibt es noch zwei Mädels, die sich sonnen, ohne zu reden. François holt uns Bier an der Bar. Er lässt es auf Zimmer 217 aufschreiben. Ziemlich mutig … es hätte sein können, dass es Zimmer 217 nicht gibt.

Wir trinken unser Bier, legen uns in die Sonne, schwimmen ein paar Runden im Pool, trinken noch ein Bier und dösen weiter in der Sonne. Irgendwie ist das ziemlich einschläfernd. Es tut sich nichts. Die Leute um uns herum hängen einfach nur ab. Aktivitätenwechsel höchstens alle 30 Minuten. Am dynamischsten ist noch die Sonne. Diese wandert nach Westen. Entsprechen wandert auch der Schatten der Sonnenschirme. Die beiden Mädels, die wir am Anfang nicht genau zuordnen konnten, rücken auf die Liegen neben uns, um der prallen Sonne zu entgehen. Sie sind beide schon tief gebräunt. Es sind Französinnen. François sieht seine Chance gekommen. Er ist zwar kein Franzose, hat aber irgendwie französisches Blut in den Adern. Zudem spricht er ein paar Brocken Französisch, er hat in der Schule gut im Unterricht aufgepasst. Seine Eröffnung ist nicht grade stark, aber immerhin kommt er mit den Mädeln ins Gespräch. Die Wortführerin heißt Madeleine. Madeleine trägt einen Leoparden-Bikini. Sie ist etwa 1 Meter 60 groß, braunäugig und braunhaarig. Ihre Freundin Amelie ist ein paar Zentimeter größer und hat ein paar blonden Strähnchen in den ansonsten ebenfalls braunen Haaren. Auffällig ist ihr Zungenpiercing. Sie trägt einen weißen Bikini mit roten Punkten. Während François mit Madeleine lebhaft plaudert, versuche ich etwas mit Amelie zu reden. Ich kann kein Französisch und Amelie kann nicht gut Englisch. Die Verständigung ist von daher nicht leicht. Aber ihr Blick ist fesselnd. Auch wenn wir kein wirklich sinnvolles Gespräch zustande bekommen, macht es uns Spaß, uns miteinander zu befassen. Wir lächeln uns die meiste Zeit gegenseitig zu. Sie versucht mir zu erzählen, dass sie von Beruf Krankenschwester ist. Sie mag RnB, genau wie ich auch.

Madeleine plaudert eifrig mit Francois. Auf einmal hält sie mitten im Satz inne, spricht ein paar Worte mit Amelie und steht auf. Es ist Zeit sich für das Abendessen vorzubereiten. Madeleine geht zuerst duschen. Kaum ist Madeleine weg, fängt François an Amelie zu beschwatzen. Diese antwortet. Was gesprochen wird, kann ich nicht verstehen. Ich bin jedenfalls erst einmal aus dem Gespräch draußen. Eine viertel Stunde später kommt Madeleine zurück. Sie hat sich umgezogen und braucht nun Münzen für die im Hotelfoyer aufgebauten Internet-Computer. Das ist die Chance mein Kleingeld in ein Scheinchen zu tauschen. Amelie geht jetzt duschen. Sie wirft mir einen tiefen Blick zu und geht.

Wir sitzen ein paar weitere Minuten am Pool. Lass und noch ein Bier trinken und abhauen ist der Vorschlag von François. Er geht Bier holen. Ich bleibe auf der Liege sitzen. Platsch … da ist von einem der Balkone etwas herunter gefallen. Ich schaue … Amelie wollte ihr Bikinioberteil nach dem Duschen auf der Brüstung aufhängen. Sie steht dort in Unterwäsche. Ich gehe zu der Stelle, an der das Teil gelandet ist, und werfe es zu ihr in den zweiten Stock. Ich will mich grade wieder auf die Liege setzen, da fällt ihr ein Badetuch, welches sie ebenfalls aufhängen wollte herunter. Ich versuche es zu werfen … keine Chance. Es kommt noch nicht mal in den ersten Stock. Sie ruft mir auf Französisch eine Zahl zu und versucht sie parallel dazu mit den Fingern zu zeigen. Ich nehme das Handtuch und betrete das Hotelinnere. Ich gehe in den zweiten Stock. Amelie öffnet die Tür noch bevor ich klopfen kann. Sie macht keine Anstalten mir das Handtuch abzunehmen. Ich trete ein, sie schließt die Tür. Sie schaut mich an, legt ihre Arme um mich und schaut mir ganz tief in die Augen. Mir stockt der Atem. Ein paar Augenblicke später küssen wir uns. Ein tolles Gefühl mit ihrem Zungenpiercing. Hoffentlich gehen Amelies Freundin jetzt nicht die Münzen für das Internet aus.

Es ist nun wirklich Essenzeit. Wer zu spät am Buffet ist, bekommt nicht mehr die besten Sachen. Amelie fragt, ob ich nicht noch mit Essen kommen wollte. Als wir uns dem Foyer nähern, hören wir eine lautstarke Auseinandersetzung. François‘ Stimme ist zu erkennen. Mir steht zum zweiten Mal innerhalb von 10 Minuten das Herz still. Die Hotelsecurity erzählt in gebrochenem Englisch irgendetwas von „falscher Raumnummer“. Amelie legt ihren Arm und mich, drückt mir den Schlüssel in die Hand. Wir betreten das Foyer. Ich gehe zielgerichtet zur Rezeption, lege den Schlüssel auf den Tisch. Mir schenkt ohnehin niemand Beachtung, da alle mit François beschäftigt sind. Amelie geht mit mir vor das Haus noch bis zur nächsten Straßenecke, gibt mir einen Kuss und geht in Richtung Hotel. In diesem Moment kommt François herausgerannt. Ich winke ihm kurz. In dem Augenblick kommt die Hotelsecurity aus dem Hotel. Ich renne ein kurzes Stück die Querstraße entlang und biege in eine Ladenpassage ein. François rennt fast an mir vorbei. Ich rufe „hier“, er biegt auch ein und wir rennen los. Noch um zwei Ecken … niemand mehr hinter uns? Wir verschnaufen einen Moment. Es scheint alles ruhig zu sein. Wir nehmen vorsichtshalber ein Taxi zur Finca.

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